Börse, Beben, Bitte: Atmen Sie weiter

Schuld ist der amerikanische Arbeiter. Es geschah in diesem Februar, in der zweiten Woche. Kurs-Pingpong von der Wall Street bis Frankfurt. Die Aktien-Kurse sprangen hoch und runter. Hinzu kamen gallige „Gaps“ in den technischen Charts – was den einen oder anderen außerdem in die nächste Fachfremdwort-Krise stürzte. Ist oder war das Geschehen auf den elektronischen Parketten der Geldhändler ein Börsenbeben, nur ein kleiner Kurs-Husten, oder droht der Wertuntergang unserer Papiere? Es war der amerikanische Arbeiter, aber der bedroht uns nicht. Bitte atmen Sie weiter.

Immer wenn die Börsen etwas machen, das der Profi nicht erklären kann, entreichert er sein Publikum um etwas Verständlichkeit seiner Worte. Das Drama: In den ersten Tagen des Februars hatte der DAX drei sogenannte Gaps, berichten Börsenberichter. Furchtbar! Ähemm, … was ist ein Gap? Ich musste auch kurz nachgucken. Ein Gap: Das ist, wenn das (also das zwischendurch-) Tageshoch eines Index HEUTE niedriger ist als das (also zwischendurch-) Tagestief GESTERN.

Mit anderen Worten: Der Index, wir sehen auf den DAX, schrammelte sich in der ersten Februarwoche von Tag zu Tag tiefer und tiefer – wie ein täglich sinkender Blutdruck, der zwar auch immer zwischen Hoch und Tief wechselt (so funktioniert das schlagende Herz halt), aber eben immer niedriger und niedriger – tiiiefer und tiiiiiiefer. Und im Falle des DAX hatten wir drei Gaps. Drei Mal in Folge entstanden täglich tiefere Tiefpunkte des Indexes heute als gar gestern und vorgestern. Die Erklärung und die Entwarnung folgt nun:

 

Was wirklich geschah. Vom Dumm Tüch … 

 

Okay, vorab mal ein Lebenstipp von uns für Sie: Glauben Sie keiner Überschrift mit dem Wort „wirklich“ im Text. Auch nicht in der Zwischenüberschrift wie oben. Es sei denn, Sie wollen wissen, welcher Dschungel-DSDS-Bauer-sucht-Frau-Kandidat wirklich kein Tattoo hat, oder so … In Sachen Börsen-Februar-Anfangs-Kurssorgen stieß ich auf das „Handelsblatt“ – besser als RTL TV.

Das Börsenblatt betitelte ein Interview mit diesem sperrigen Sumpfdeutsch: „Eine positive Gegenbewegung an den Märkten wäre nicht überraschend“. Alles unklar soweit? Unklar, ja. Begriffe wie „positive Gegenbewegungen“ der Börse, das entstammt der Chart-Technik mit ihrer Kurs-Diagnose und versuchten Prognose. Das braucht man nicht zu wissen; es sei denn, Sie machen einen Kurs bei n-tv. Alles dumm Tüch (Plattdeutsch: Dummes Zeug).

… zur Diagnose. Was wirklich geschah

 

Ernsthafter und zurück zum „Handelsblatt“. Dort erschien am 6. Februar besagtes Interview, gegeben und gesagt von Benjardin Gaertner, seines Zeichens der Aktienchef der Union Investment. Ein sehr kluger Mann, dieser Herr Gaertner. Dessen Analyse ist im Folgenden zusammengefasst. Der amerikanische Arbeiter war schuld – oder US-Präsident Trump und seine „Job-Maschine“? Jedenfalls funktionieren erklärbare Börsen-Husten in Schritten. Hier sind es deren fünf, alle geschehen zunächst in den USA und dann auch im deutschen Dax. Ganz normale Ökonomie, kein Zauber.

 

1. Teil des Dramas, das keines war
Am Freitag, 2. Februar, gaben die amerikanischen Behörden sinkende Arbeitslosen-Zahlen bekannt.

2. Teil:
Mehr Jobs, mehr Menschen in Lohn und Brot, … das führt Ökonomen, vor allem solchen, die Aktien handeln, an der Börse zu der Befürchtung, die Inflation könnte steigen.

3. Teil:
Steigt die Inflation, dann droht die Zentralbank US-Fed, den Geldhahn zuzudrehen. Geld, das Banken flüssig macht, wird knapper. Dieses leitet Teil 4 des Dramas, das keines war, ein.

4. Teil
Wird das Geld knapper, weil die US-Fed „zu“ macht steigt dessen Preis. Der Zins fürs Geld. Eben die börsenimmanente Zinsangst.

5. Teil
„Zinsangst“ bedeutet, wenn Staatsanleihen plötzlich mehr abwerfen als vorher – auch wenn vielleicht nur 0,1 Prozentpünktchen mehr als aktuell bekannt null Prozent – dann sinkt die Neigung der Anleger, mit Aktien zu „zocken“. Weil ja der garantierte, auch „risikolos“ genannte Zins steigt. Der Trend: (Immer) weniger Menschen kaufen Aktien, die Nachfrage sinkt und damit deren Kurs aggregiert auf einen Index, Dax oder Dow Jones, sinkt dann deren Punktewert immer weiter. Und ein Index heißt nicht nur so, sondern er ist auch einer: Ein Anzeiger.

 

Wo stehen wir?

 

DAX
Der deutsche Index steht bei 12250 Punkten (12. Februar).
Anfang Februar ist er mal von 12700 runter auf 12000 Tiefststand und berappelt sich auf ein Wochenergebnis von -2,4

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