Kapitalanlage nach der US-Wahl: Jetzt die Trump-Karte ziehen?

Am Morgen des 9. November waren wohl viele Deutsche schlicht baff. Donald Trump war in der Nacht davor wider Erwarten zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt worden. Nicht nur das. In beiden Kammern des US-Parlament, Senat und dem Repräsentantenhaus, hat Trumps Republikanische Partei die Mehrheit errungen. Trump wird also ohne Widerstand „durchregieren“ können. Und nun fragen sich die Anleger, was sie mit ihrem Geld tun sollen.

Die Börsianer hatten vor der Wahl auf die Demokratin Hillary Clinton gesetzt und Kursstürze vorhergesagt, falls Trump in das höchste amerikanische Amt kommt. Die Börsenprofis hatten recht, aber nur einen halben Tag lang. Kurz nachdem feststand „it’s Trump“, fielen in Japan die Börsenkurse. Der Nikkei-Index verlor am Morgen des 9. November fast fünf Prozent. Ähnlich bewegten sich zunächst europäische und amerikanische Indizes: Der deutsche DAX fiel ebenfalls um knapp fünf Prozent, der amerikanische Index S&P 500 gab vorbörslich um 4,5 Prozent nach, ebenso der englische FTSE: Minus 4,8 Prozent ein. Der Goldpreis sprang über 1.300 US-Dollar je Feinunze (31 Gramm).

Die Wende an den Tagen danach

In seiner Siegesrede gab sich Donald Trump im Vergleich zum Wahlkampf ungewohnt – und sorgte an den Börsen für ein überraschendes Kursfeuerwerk. Trump hatte nämlich Steuererleichterungen und Investitionen in die US-Infrastruktur angekündigt. Der amerikanische Großinvestor Carl Icahn sagte noch am Vormittag des 9. November großspurig vor der Presse, er werde jetzt eine Milliarde Dollar in US-Aktien investieren. In den Folgetagen nach der Wahlentscheidung in den USA legte der DAX um knapp fünf Prozent und der Dow Jones erreichte sein Allzeithoch. Damit erholten sich die Börsen weit schneller als nach der Brexit-Entscheidung der Briten.

Bis Trump am 20. Januar in das Präsidentenamt eingeführt wird, sind seine Politik und deren prognostizierten Wirkungen auf die Finanzmärkte noch von einer gewissen Unsicherheit geprägt. So können etwa Trumps nun nach und nach getroffenen Personalentscheidungen zu kurzfristigen Kurs-Verwerfungen an den Börsen führen. Noch sei „Trump ist nach wie vor der große Unbekannte“, sagte vor einigen Tagen eine Börsenspezialistin von Allianz Global Investors. Dies sorge für Unsicherheit, denn er vertrete nicht die typischen Werte der Republikaner.

So hat Trump inzwischen erklärt, er wolle (abweichend von der Parteilinie) die Staatsverschuldung um fünf Billionen oder 5.000 Milliarden Dollar erhöhen, um seine Ausgabepläne für Infrastruktur-Investitionen oder die Ausrüstung des US-Militärs zu finanzieren. Hier kann es aber sein, dass die Republikaner ihren Präsidenten „einbremsen“ und die Staatsschulden weniger stark steigen als Trump es gerne hätte. Außerdem braucht der neue Präsident Luft für seine Steuersenkungspläne, die seine Republikaner wiederum als Kernthema ihrer Politik unterstützen.

Zinsentscheidungen verschoben

Eigentlich, so die Erwartungen der Finanzmärkte, werde Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank Fed, im Dezember zum ersten Mal seit Jahren wieder die Leitzinsen erhöhen. Dies wäre ein weltweit wirkendes Signal bis bin zum deutschen Dax und weiter eine Entlastung der deutschen Lebensversicherer, die bekanntlich unter „flachen“ Zinsen leiden, samt ihren Kunden: den Sparern. Der Dezembertermin fällt aus beziehungsweise Janet Yellen wird nichts tun, sagen Marktbeobachter. Die US-Fed wird sich erst nach Trumps Inauguration am 20. Januar zu ihrer Zinspolitik äußern – sobald sie den Wirtschaftskurs des neuen Präsidenten kennt.

Was muss man wissen?

Geht es auch konkreter? Ja. Im Telegrammstil: US-Unternehmen, die in und für die USA produzieren (Auto-, Bau- oder Rüstungskonzerne) profitieren aller Voraussicht nach von Trump. Konzernen, die ihr Geld nicht in den USA versteuern, drohen Nachteile von Seiten der neuen US-Administration. Paradebeispiel hierfür ist Apple. Im August forderte die EU-Kommission Irland auf, von Apple eine Steuernachzahlung in Höhe von 13 Milliarden Euro zu fordern.

Aus Sicht der Kommission hat Irland dem iPhone-Hersteller in dieser Höhe unzulässige Steuervorteile gewährt. Dazu muss man wissen, dass Apple alle seine Gewinne in Europa nach Irland lenkt, um dort Dumpingsteuersätze zu nutzen. Trump will das ändern. Apple oder auch Amazon sollen ihre Gewinne in die USA fließen lassen und dort versteuern.

Und was soll nun der Kapitalanleger machen? Am besten entspannt bleiben. Für ihren langfristigen Vermögensaufbau sollten Investoren sich nicht nach dem politischen Tagesgeschehen richten, sondern kontinuierlich investieren. Was wir damit meinen, besprechen wir persönlich und privat.

Ihr Fabian Schuster

Quelle Bild: pixabay

Teile deine Gedanken